Die 68er sind vorbei. Marktliberalismus und junge Konservative haben längst die Ideale von damals verdrängt und freuen sich ihrer Konterrevolution. Der Rest freut sich nur noch an den Geschichten von damals und von Zeit zu Zeit an einigen wenigen, grau gewordenen, aber langhaarig gebliebenen Professoren. Bewundert stehen diese Einsamen in der heutigen Welt als Beweis dafür, dass all diese Geschichten von damals eben nicht nur Geschichten, sondern ein Teil der Geschichte sind.
Eine Zufällige Reise auf die Gipfel der Pyrenäen soll als weiterer Beweis dafür stehen: Auf dem Weg zum Klettern werden wir von einem Deutschen angesprochen und lassen uns kurzerhand dazu bewegen, unsere Pläne zu ändern und ein Festival zu besuchen. Ein französisches Dorf am Abend. Keine 300 Einwohner, keine Busse. Dann ein Schulbus, Baujahr 1976 in englischer Ausführung. Keine Sitze, dafür ein Hund, Schaffelle, Grasgeruch und Menschen. Viele Menschen. Die meißten Frauen in langen Gewändern, mit unrasierten Beinen und Achseln. Es riecht nach Bioholzöl und unparfümierten Körpern. Zwangsläufig fülht man sich an Patrick Süßkinds ausführliche Beschreibungen des menschlichen Körpergeruchs erinnert.
Wir werden mitgenommen und kommen nach eineinhalbstündiger Odysee im Schrittempo irgendwo in einem Wald an. Nachdem wir und bereits am Ende der Welt gewähnt hatten, nun wieder alles voller Menschen, Hunde und uralter Busse. Vor einigen Bussen sitzen alte weißhaarige Männer, dazwischen spielen Kinder. Um einen runden Platz herum finden sich schumrig beleuchtete Stände an denen Tchai Tee und Crêpes mit Drogen verkauft werden. Eine merkwürdige Mischung indischer und französischer Kultur. Die Menschen in einer merkwürdigen Mischung aus Übermut und Schläfrigkeit.
Als das Tageslicht den Lichtzauber stiehlt und seine Strahlen über der erleuchteten Gesellschaft ausgießt zeigt die Utopie ihr anderes Gesicht. Menschen liegen verstreut auf dem Boden und schlafen. Überall Dreck. Dazwischen Hunde. Kinder laufen durch den Matsch und spielen in der erloschenen Feuerstelle. Viele Menschen. Überall dreckige Körper. Ein überdimensonaler Donnerbalken spendet den passenden Geruch dazu. Es wird ausgelassen getanzt.
Abwechselnd wachen Tag und Nacht über die Gesellschaft. Von den meißten unbemerkt. Zwischen Omh Symbolen und Reliquien des Buddhismus träumt jeder in einer anderen Zeit. Die abwesenden Blicke in die Ferne gerichtet vielleicht auch jeder von einer anderen Welt. Sie begegnen sich alle vor den Lautsprechern. Im Tanz. In der Ekstase. Im Realitätsverlust. Alle sind am gleichen Ziel angekommen, ohne ein Ziel erreicht zu haben. In der Resignation über das Scheitern der Idee einer neuen Welt hat man der Welt den Rücken zugekehrt.
Vielleicht ist das Ideal der Hippies an der Zeit zerbrochen. Oder vielleicht waren die Ideale der 68′er ganz anders und diese Menschen haben mit diesem Leben ihre Ideale erfüllt. Vielleicht steckte hinter der politischen Agitation der damaligen Zeit auch nur das Verlangen nach absoluter Verantwortungslosigkeit. Oder vielleicht sind diese Menschen in den Bergen einfach gar keine Hippies. Hoffentlich.
7. Oktober 2006 um 23:26 |
tja, als neohippies sind sie wohl ein wenig ideales ideal ihres ideals.
ein :) zum französischen russen – auch ich erlebe ihn momentan recht eindurcksvoll.zwischen diebstählen, verbalen eklats, finanziellen desastern und vielen anderen spezialitäten deutscher schülerkultur beunruhigt monsieurowitsch tatsächlich nur der rotwein -’il manque la rondeur’. aha. allez les clichés…
31. Mai 2007 um 23:45 |
elitäres geschwätz!