Manchmal tut man gut daran, Vorgesetzten nicht zu vertrauen – denn auch sie können Fehler machen. Eine Erkenntnis, die sich unter französischen Studenten in Bezug auf ihre Professoren leider noch nicht rumgesprochen hat unter ausländischen Studenten dagegen allerdings durchaus bekannt ist (der interessierte Leser findet beim Baguettetill mehr).
Das ich mit meinem Misstrauen, sozusagen gegenüber meinen Vorgesetzten, nicht falsch gelegen habe, zeigte mir dieses Gespräch, welches mir neulich zu Ohren kam:
A: Aber ich sage Ihnen doch: Sie können nicht einfach ein Gebäude errichten, sich dort hinter einen Tisch setzen, einen Text vorlesen und sich einbilden, sie wären ein großer Professor. Da gehört schon noch ein bisschen mehr dazu.
B: Was? Noch mehr?
A: Ein Mensch, der Professor werden will, der muss auch einige Qualifikationen besitzen. Das kann nicht jeder!
B: So? Was muss er denn dann können?
A: Also zuerst einmal muss er lesen können
B: Kann ich!
A: Und schreiben natürlich auch
B: Kann ich. Kann ich auch.
A: Reden ist auch sehr wichtig.
B: Auch das kann ich.
A: Und natürlich Denken.
B: Denken?
A: Denken!
B: Ja, aber was ist denn das?
A: Was, Sie wissen nicht, was Denken ist? Aber das ist doch Erste, was ein Professor können muss!
B: Wirklich?
A: Ja. Ganz ehrlich!
B: Könnten…könnten Sie mir das vielleicht mal eben beibringen? So ganz schell? Ich muss nämlich gleich wieder eine Vorlesung halten
A: Eben mal so kann man das nicht erklären. Aber ich werde versuchen, es Ihnen an einem kleinen Beispiel zu verdeutlichen: Vitamine sind gut für die Gesundheit. In einem Apfel sind viele Vitamine. Daher kann man davon ausgehen, dass Äpfel gut für die Gesundheit sind. Dies ist eine einfache formallogische Operation, ein gutes Beispiel für Denken. Einfach gesagt bedeutet Denken also, aus verschiedenen Informationen, die einem zur Verfügung stehen, durch einen analogen Schluss neues Wissen zu gewinnen.
B: Denken heißt also, zu wissen wann Schluss ist?
A: Nein, ich sprach davon, einen Schluss zu ziehen.
B: Einen Schlusstrich?
A: Mit nichten… der hat doch nichts mit Denken zu tun!
B: Der Strich ist aber auch ein Schluss, der gezogen wird!
A: Seien Sie doch nicht so spitzfindig…
B: Doch. Ich finde das spitze. Ein Mensch der Schlüsse ziehen kann, ist ein Mensch der Denken kann. Wenn ich also in Denken will, dann muss ich also wissen, wie man einen Schlusstrich zieht.
Wunderbar. Ich beende das Gespräch!
Die Unterhaltung war an dieser Stelle wirklich zu Ende und der belehrte Professor machte sich auf den Weg zu seiner Vorlesung. Aber wer war der Belehrende? Das klang doch wie… ja, richtig!
Wer errät, wer dem Professor geholfen hat, gewinnt einen Bleistift.
26. März 2007 um 4:04 |
ein paradoxer professor? ;-)
26. März 2007 um 9:43 |
Leider nein…es war kein Professor. Die Raterunde bleibt also offen. Zusätzlich erhöht sich der Gewinn um…naja sagen wir mal…ne MARK (Ostmark wohlgemerkt)
26. April 2007 um 21:29 |
ein Therapeut? (Freudianer – wegen des absolut sexistischen Beispiels mit dem Apfel)
18. Oktober 2008 um 15:25 |
Loriot?
Für mich klingt das wie Herr Müller- Lüdenscheid…lach