In Frankreich kann man vieles nicht verstehen, auch wenn einem nur wenig spanisch vorkommt. Das liegt zu großen Teilen an der hier gesprochenen Sprache, dem Französischen, dass durch eine ganz eigene Eigenheit von seinen romanischen Schwestersprachen abweicht: Bei der Umwandlung von Schriftsprache in gesprochene Sprache werden die Wörter im Durchschnitt um 85% kürzer – und das nicht nur bei pubertierenden Jugendlichen, die ihre Zähne nicht auseinanderkriegen, sondern auch bei linguistisch geschulten Akademikern. Den Rest des Beitrags lesen »
In Vino? In Allium* Veritas!
23. Mai 2007Abschied nehmen – französische Kultur im Sark.
9. Mai 2007Seit Sonntagabend ist es nun offiziell: Die Franzosen meinen es gut mit mir!
Als mir ihre Nation am Sonntagabend um Punkt acht Uhr diese Aufwartung machte, raste mein Herz vor Glück. Und während ich neben stehenden Metrozügen auf leeren Straßen mit meinem Fahrrad allem davonkam, holte mich das rhythmische Knattern von Polizeihubschraubern ein und ließ mein Pfeifen auf dem letzten Loch untergehen. Es wurde wohl trotz allem demonstriert. Ich hätte doch so gerne noch so viel gesagt:
1. Frei
2. Mai 2007In Frankreich sind fünf gerade. Das sieht man an der Bauweise der Häuser, der Einhaltung der Verkehrsregeln und der Konstruktion der Marktstände. Abgesehen vom Rotwein kann anscheinend nur ein einziges Thema bei den Franzosen perfektionistisches Arbeiten hervorrufen: Die Abschaffung der Arbeit.
Die weltweite Diskussion, ob der Tag der Arbeit nun wie im Sinne des Wortes für die Arbeit ist oder im abgewandelten Sinne doch eher ein Tag der Arbeiter mit besonders wenig Arbeit, hat auch nach dem Ende des kalten Kriegs nichts an seiner Hitze verloren.
Allgemeine Wahlfreiheit
25. April 2007Seit Sonntag wissen wir es nun alle endgültig, was wir eigentlich schon geahnt haben: Die Entscheidung im französischen Präsidentschaftswahlkampf wird zwischen rechst und links fallen. Wie eigentlich bei jeder politischen Wahl.
Während in Deutschland in Zeiten der großen Koalition die Grenzen zwischen den politischen Orientierungen zunehmends verschwimmen und der Unterschied zwischen Rechts und Links im großen und ganzen nur noch auf die Frage hinausläuft, ob die Fingerabdrücke in Pässen in Farbe oder doch nur in Schwarz-Weiß gespeichert werden, stehen die Franzosen vor einer regelrechten Wahl von Schwarz oder Weiß. Den Rest des Beitrags lesen »
StVO – Straßen Verhütungs Ordnung
18. April 2007Das die Fahrgewohnheiten der Franzosen eine in ihrem Land sonst nicht gekannte Lebensverachtung ausdrücken, ist nichts Neues. Neu ist aber, dass dieser Zustand inzwischen anscheinend sogar die Aufmerksamkeit offizieller Stellen auf sich zieht. Nachdem sich Versicherungen schon lange aus dem verlustträchtigen französischen Verkehrswesen zurückgezogen haben und nur noch bei Total- und Personenschäden aktiv werden, wollen nun diverse Stadtverwaltungen erste Hilfe leisten. Den Rest des Beitrags lesen »
Das Diätregime
14. April 2007Nachdem aus dem „Erbfeinden“ Deutschland und Frankreich zwei Freunde geworden sind, die gemeinsam durch dick und dünn gehen, scheinen zusehends auch die Unterschiede zwischen diesen beiden Ländern immer verschwindender zu werden.

Doch gerade bei dem Thema „dick und dünn“ wird der lange Weg deutlich, der noch gegangen werden muss, bis nach dem gemeinsamen Geschichtsbuch dann irgendwann auch mal eine gemeinsame Identität und ein gemeinsamer Ländername Wirklichkeit werden: Während die Deutsche, die einen Gewichtsverlust anstrebt eine Diät macht, muss sich ihre französische Freundin einem Regime unterwerfen. Die Versöhner Adenauer und de Gaulle hätten an dieser Stelle sicherlich auf die erfreuliche Gemeinsamkeit hingewiesen, dass auf beiden Seiten des Rheins für ein eigentlich unpolitisches Ereignis ein politischer Begriff verwendet wird. Den Rest des Beitrags lesen »
Die Französische Revolution
4. April 2007Vor längerer Zeit haben die Franzosen als Urväter der Revolution auf der ganzen Welt von sich reden gemacht. Seitdem wird bei jedwedem politischen Umsturz auf dieser Welt der Blick immer wieder gen Frankreich gerichtet und das aktuelle Geschehen mit dem Original von damals verglichen, bevor es als wirkliche Revolution geadelt werden kann.
Ob so einfache Ereignisse wie das Umfallen einer Betonmauer oder der verspätete Wahlgewinn eines in Orange gekleideten Politikers diesen Ehrentitel verdienen, ist bis heute nicht geklärt. Schließlich ist bei diesen Vorkommnissen kein einziger Kopf gerollt, wurde kein einziger Säbel geschwungen.
Aber wie halten es die Nachkommen der einzig wahren Revolutionäre mit diesem großen Erbe? Den Rest des Beitrags lesen »
Ein Bildungskritikstück
21. März 2007Manchmal tut man gut daran, Vorgesetzten nicht zu vertrauen – denn auch sie können Fehler machen. Eine Erkenntnis, die sich unter französischen Studenten in Bezug auf ihre Professoren leider noch nicht rumgesprochen hat unter ausländischen Studenten dagegen allerdings durchaus bekannt ist (der interessierte Leser findet beim Baguettetill mehr).
Das ich mit meinem Misstrauen, sozusagen gegenüber meinen Vorgesetzten, nicht falsch gelegen habe, zeigte mir dieses Gespräch, welches mir neulich zu Ohren kam:
A: Aber ich sage Ihnen doch: Sie können nicht einfach ein Gebäude errichten, sich dort hinter einen Tisch setzen, einen Text vorlesen und sich einbilden, sie wären ein großer Professor. Da gehört schon noch ein bisschen mehr dazu.
B: Was? Noch mehr?
A: Ein Mensch, der Professor werden will, der muss auch einige Qualifikationen besitzen. Das kann nicht jeder!
B: So? Was muss er denn dann können?
Mittendrin – Bericht aus einer Randgruppe.
14. März 2007Auch in Frankreich gibt es Randgruppen. Es ist klar, dass mit diesem Begriff ein schwieriges Feld betreten wird, dass von einer Unzahl gefährlicher Fallen aus politischen Unkorrektheiten gezeichnet ist.
Manchmal kann man aber um schwierige Felder nicht herum. Ganz konkret wurde ich letztens von einem Metallzaun davon abgehalten. Abgehalten davon, den Block acht der Südkurve des Toulouser Fussballstadions zu verlassen, für den ich unwissend Karten erworben hatte. Als Fussballunkundiger hatte ich die Abwesenheit von Sitzschalen in diesem Teil der Arena nicht richtig deuten können und zu spät gemerkt, dass ich mich in der Fankurve befand, die ich nun nicht mehr verlassen konnte.
Mitten in dieser distinkten Gruppe am Rande des Spielfeldes (ich kann also vollkommen berechtigt von einer Randgruppe sprechen) kam mir die Idee, diese einmalige Gelegenheit für eine kulturvergleichende Studie zu verwenden. Dank ausgiebiger Berichte der deutschen Medien in den letzten Wochen war ich ja über die Zustände an deutschen Spielfeldrändern bestens aufgeklärt – würden hier ähnliche Verhältnisse herrschen?
Er ist Frankreich!
7. März 2007Frankreich ist eine Protestnation. Seit dem 28. Februar wird dies täglich unter Beweis gestellt. Im ganzen Land bewegen eindrucksvolle Ströme von Menschen, Bannern und Plakaten durch die verwinkelten Gassen diverser historischer Innenstädte.
Aber was treibt diese Ströme an, was bewegt die Menschen, die sie bilden? An dieser Stelle ist es wohl Zeit für eine Entschuldigung: Liebe Franzosen, so war das nicht gemeint! Es war nicht richtig von mir, die Frage nach Eurer nationalen Identität einfach so in der Luft hängen und damit eine ganze Nation im Ungewissen zu lassen (siehe: „Wer ist Frankreich?“ ). Euer Widerspruch war richtig. Ich gebe Euch Recht. Und die überfällige Definition: Den Rest des Beitrags lesen »
Verfasst von seefunk
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